Noch ein Gedicht – vom Juni 1850

Folgendes Gedicht aus dem Jahr 1850 (also kurz nach den Ereignissen) ist zu finden in Konrad Lucaes Buch über „Kirchheimbolanden und der pfälzisch-badische Aufstand 1848-1849“, erschienen 1979 in der Schriftenreihe des Vereins Heimatmuseum e.V. Kirchheimbolanden:

DIE BLUTTAUFE IM GARTEN ZU KIRCHHEIMBOLANDEN

AN DIE MAINZER FRAUEN

Geschrieben von F. Weil von der Heubergermühle, den 21. Juni 1850
(Anmerkung: möglichweise steht das F. für Friedrich, denn in Eberhard Refs Mühlenverzeichnis der Pfalz findet sich zur Heubergermühle ein Friedrich Weil)

Einst noch in späten Zeiten wird die Geschichte melden
Von Kirchheim Bolands Garten und von den dreißig Helden
Die in ihm eingeschlossen und mit dem Feind gerauft
Und dort im Freiheitskampfe die Erd‘ mit Blut getauft.

Um ihren Waffenbrüdern den Rückzug kühn zu decken
Sind sie zurückgeblieben und kämpften ohne Schrecken
Voll Mut zum Tod entschlossen, mit Feinden allzumal
Die ihnen überlegen wohl tausendfach an Zahl.

Sie hielten sich im Kampfe drei bange, bange Stunden
Da fielen siebzehn Männer an den erhaltnen Wunden
Für wahr solch tapferes Ringen, sah die Geschichte nie
Sie stritten wie die Löwen, wie Helden starben sie.

Dies war die blutige Taufe der deutschen Muttererde
Damit der Reichsverfassung die volle Geltung werde
Es war ein edles Ringen, ein heiliges Märtyrtum
Es kamen die Blutzeugen für deutsche Freiheit um.

Für deutsche Freiheit! — wehe! — Sie ward im Keim erstickt
Doch ward sie nicht besieget, sie ward vom Feind erdrückt
Der Sieg ward nicht errungen durch Mut und Tapferkeit
Die Übermacht allein nur, entschieden den Bruderstreit.

Denn dort — es ist die Wahrheit — im kleinen Lande Baden
Da kämpften gegen einen — ihr wisset es — zehn Staaten
Ist keine Kunst zu siegen auf blutgetränktem Feld
Da wo man gegen Einen zum Kampfe Fünfzig stellt.

Gar viele sind gefangen, gar viele braven
Die tun den langen Schlummer im Schoß der Erde schlafen.
Sie hatten ihre Pflichten als Deutschlands Söhne erkannt
Und kann man schöner sterben als für das Vaterland.

Doch darum ist die Freiheit um die wir kühn geworben
Das stolze Göttermädchen mit ihnen nicht gestorben
Sie liegt jetzt nur im Schlummer und in der Zeiten
Lauf Wacht sie einst neu gekräftet und schöner wieder auf.

Auch Christus ist gestorben, er lag in Grabesbanden
Doch ist er nach drei Tagen zum Leben auferstanden
Drum laßt den Mut nicht sinken, erhebt die Blicke frei
Die Sonne strahlet wieder, so oft die Nacht vorbei.

Und ihr, ihr Frauen und Mädchen, ihr kennt ja die Kunde
Von Frauenlob dem Sänger, sie geht von Mund zu Munde
Der einst vor grauen Zeiten so süß und liebebang
Den Wert der edlen Frauen in schönen Liedern sang.

Als er darauf gestorben, tut die Geschichte sagen
Da haben ihn die Frauen zum Grabe hingetragen
Sie warfen Blumenkränze, sie gossen edlen Wein
Ihm mit betränten Augen in seine Gruft hinein.

Und ihrer tut mit Liebe man heute noch gedenken
Dem Wirken edler Frauen muß jeder Achtung schenken
Drum folget ihrem Beispiel — wer wirkt durch Tat und Wort
Der lebt in der Geschichte durch alle Zeiten fort.

Nicht sollt ihr einen Dichter in seinem Grabe kränzen
Nicht sollen eure Tränen für einen Sänger glänzen
Nicht sollet auf den Schultern zur letzten ewger Ruh
Ihr euere Toten tragen — wer mutet euch das zu.

Doch die in Kirchheims Garten den Heldentot gestorben
Die haben heilige Rechte auf euern Dank erworben
Es wird ihr Angedenken euch ewig teuer sein
Setzt ihnen, Mainzer Frauen, drum einen Leichenstein.

Und auf dem Stein, dem kalten, da sei es groß zu lesen
Wie tapfer und wie mutig die Siebzehn sind gewesen
Wie sie um zu erwerben der Freiheit höchstes Gut
Ihr Leben aufgeopfert, verspritzt ihr heilges Blut.

Dann wird in fernen Tagen, wenn wir einst nicht mehr sehen
Der Vater seinem Sohne von Euch noch Kunde geben
Das Denkmal, das ihr setzet, sagt dann dem ganzen Land
Wie Mainzer Frauen die Größe ehrend anerkannt.

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