Und wer ist der Autor?

Natürlich hat Mathilde Hitzfeld nicht selbst die Bücher geschrieben. Aber wieso ist sie dann als Autorin genannt? Oder anders gefragt: Wieso setzt ein Buchautor nicht den eigenen Namen vorne auf den Titel? Auf diese Frage gibt es keine klare Antwort, weil gleich mehrere Aspekte zusammenkommen.

Es mag einerseits daran liegen, dass ich mich zwar schon immer für Geschichte interessiert habe, dass ich jedoch kein studierter Historiker bin und mir womöglich der eine oder andere Fehler unterlaufen könnte. Da ich mich bei meinen Arbeiten immer sehr um Genauigkeit bemühe, wäre es mir außerordentlich peinlich, wenn ein kleiner sachlicher Fehler auf mich zurückfiele.

Ein anderer Grund ist natürlich die lokale Verbundenheit. Würde ich in Berlin, Hamburg oder München leben, wo mir kaum jemand aus Kirchheimbolanden begegnen könnte, wäre es etwas anderes. Aber so lebe ich hier, gehe einkaufen oder auch mal zum Arzt. Und das möchte ich gern privat und unerkannt machen können. Vielleicht habe ich mal eine Erkältung mit einer geröteten Schniefnase oder sehe aus anderen Gründen weniger repräsentativ aus und dann soll das Buch nicht mit dieser wenig repräsentativ aussehenden Person in Verbindung gebracht werden. Das Buch soll bitte für sich stehen.

Dass ich mich hinter Mathilde Hitzfelds Namen zurückziehe, liegt aber auch daran, dass ich als Kind viele Bücher gelesen habe von heldenhaften Figuren, die mutig waren, die schlau waren, die entschlossen gehandelt haben. Das bin ich alles gar nicht. Ich habe zwar fleißig für das Buch recherchiert, aber ich habe damit doch keine klassische Heldentat vollbracht!

Für mich ist daher Mathilde Hitzfeld die eigentliche Heldin. Es ist ihr Name, der genannt werden sollte! Weil sie den Mut hatte, ihre Bürger- und Freiheitsrechte gegenüber einer autoritären Obrigkeit einzufordern und sozusagen „auf die Barrikaden zu gehen“ (auch wenn strittig ist, wie es eigentlich um die Barrikaden stand, vermutlich war das nicht viel mehr als ein paar gefällte Bäume, mehrere Holzfässer, Mobiliar und einige große Steine). Weil sie danach den Mut hatte, als erste Frau in ihrer Region sich um ein Studium der Medizin zu bemühen – was ihr in der damaligen Zeit jedoch nicht gelang. Und weil sie den Mut hatte, sich auf eine Reise ins Ungewisse zu begeben. Ich weiß nicht, ob ich diesen Mut aufgebracht hätte.

Und deshalb: auch wenn ich selbst zwar keinen Hut trage, so möchte ich doch sinnbildlich vor Mathilde Hitzfeld meinen Hut ziehen. Für mich ist sie eine echte Heldin ihrer Zeit gewesen! Möge sich die Nachwelt noch lange an sie erinnern!

Nach oben scrollen