Historische Fakten

Für das Buch habe ich einiges an Zeit investiert, um mich zunächst ein wenig „schlau zu machen“. Aus dem Schulunterricht in Geschichte hatte ich die Ereignisse im 19. Jahrhundert noch einigermaßen im Kopf, aber das Detailwissen war weitgehend weg. Und von den regionalen bzw. lokalen Ereignisse war auch nicht viel vorhanden. Daher habe ich mich ab dem Spätsommer 2025 ziemlich ins Zeug gelegt, um möglichst viel herauszufinden – glücklicherweise kann ich noch perfekt Frakturschrift lesen und auch ein wenig die Sütterlin-Handschrift, das hat mir sehr geholfen.

Hier unten in den Akkordeons sind die wichtigsten historischen Fakten versammelt – aber wirklich nur die allerwichtigsten Infos zu Familie Hitzfeld und was in Kirchheimbolanden passiert ist. Es gab auch einige Infos zu Bürgern aus Bischheim, Marnheim, Bolanden und aus der weiteren Umgebung.

Es gab vor allem tausende von Infos zu den Versammlungen der provisorischen Regierung in Kaiserslautern mit Abgeordneten aus anderen Teilen der Nordpfalz und der anderen Pfälzer Regionen vom Rhein bis nach Pirmasens.

Diese Informationen alle zu berücksichtigen hätte den Rahmen gesprengt für ein Buch, das sich hauptsächlich an Kinder ab 8 Jahren richtet. Daher sind diese vielen Namen und weiteren Informationen außen vor geblieben. Aber wer weiß: wenn ich mal in Rente bin (das dauert ja nicht mehr so lange), dann setze ich mich vielleicht hin und greife das Thema nochmal gründlicher auf …

Wer sich also für die historischen Fakten interessiert, findet hier sicherlich einige nützliche Informationsschnipsel (allerdings bin ich kein studierter Historiker und die Angaben entsprechen sicherlich nicht der Zitationsweise dieser Zunft, sondern haben eher Notizcharakter) …

Über Mathilde Hitzfeld gibt es nur wenig genaue Angaben: Laut den meisten Quellen ist sie am 1. September 1826 geboren, in anderen Quellen ist vom 31. August 1826 die Rede. Möglicherweise wurde sie spätabends am 31. August geboren, aber eingetragen wurde es für den 1. September? Ich weiß nicht, welches das richtige Datum wäre.

Dann ist ihr Name nirgendwo verzeichnet bis zur Fahnenweihe am 11. Juni 1848, wobei es andernorts (nämlich in der Biografie ihres späteren Ehemannes) heißt, es wäre Pfingstmontag, der 12. Juni 1848 gewesen. Da es später nochmals eine Fahnenweihe gegeben hat (nämlich die für die Bürgerwehr), bei der die Fahne aber von zwei anderen Damen übergeben wurde, kommt es bei der Fahnenweihe und dem Datum möglicherweise zu Verwechslungen, so dass es teilweise auch heißt, die Fahnenweihe mit der Übergabe durch Mathilde sei am 6. August 1848 gewesen.

Am 14. Juni 1849 ist in den Unterlagen verzeichnet, dass sie am Ende der Schlacht von einem preußischen Offizier ritterlich gebeten wird, sich doch nach Hause zu begeben – offenbar wusste er nicht, dass er da eine Aufständische vor sich hatte. Anderen Berichten zufolge wäre sie einem preußischen Offizier auf seinem Pferde begegnet, der einen verletzten Freischärler ans Pferd gebunden hatte und hinter sich herlaufen ließ. Mit dem Hinweis, ihr Vater sei der Kantonsarzt und könne sich um den Verletzten kümmern, konnte Mathilde dem Offizier den Verwundeten abluchsen, so dass dieser schon einmal vor weiterer Verfolgung gerettet war.

Angeblich wäre Hitzfeld nach den Ereignissen von 1849 verhaftet und im Zuge der allgemeinen Amnestie im Dezember freigesprochen worden. Aber es waren weder Infos zu finden, wann genau sie verhaftet wurde, wo sie gefangen war oder wann sie freikam. Sie ist auch nicht auf der Begnadigungs-Liste zu finden, ihr Vater hingegen schon.

Dafür wird sie im März 1853 von den USA zurückkommend im Badischen verhaftet und wegen aufrührerischer Reden zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Diese Gefängnisstrafe hat sie in Mosbach abgesessen. Möglicherweise wurde hier die Verhaftung von 1853 zurückdatiert auf 1849, aber wie gesagt: einen Hinweis, dass sie 1849 wegen der Teilnahme am Aufstand verhaftet worden wäre, war nicht zu finden.

In den Büchern oder auch in den digitalisierten Zeitungen für das frühere Königreich Bayern ist sonst nichts mehr über sie zu finden. Es gibt Hinweise (Belege habe ich aber nicht gefunden), dass sie noch einige Male zurück in Deutschland war und dass sie noch einmal wegen der Störung eines Fronleichnamszugs vor Gericht stand und freigesprochen worden wäre. Wann oder wo genau: diese Angabe fehlt.

Sie war wohl eingeladen, 1872 an der Enthüllung des Denkmals der Trauernden Germania teilzunehmen, aber sie sagte ab, weil sie befürchtete, wieder verhaftet zu werden. Auch die Teilnahme an der 50-jährige Erinnerungsfeier im Jahr 1899 sagte sie ab, damals wollte sie sich aus Altersgründen die Überfahrt und lange Reise nicht mehr zumuten.

Im März 1896 war ihr Mann Theodor Kaufmann gestorben, sie selbst starb 1905 in ihrem New Yorker Exil.

Dr. Johann Ludwig Hitzfeld wurde in Kandel geboren. Sein Vater (also Mathildes Großvater) war Johann Baptist Hitzfeld, er war Richter am Appellationsgericht Zweibrücken (das würde heute wohl einem Landesgericht oder Oberlandesgericht entsprechen). Die Familie Hitzfeld gehörte also ziemlich klar dem gehobenen Bürgertum an.

Ludwig Hitzfeld heiratete 1821 die verwitwete Anna Maria Weinkauff, Trauzeugen waren der Kaufmann (und spätere Abgeordnete) Jakob Anton Brogino sowie der Gerichtsbote Andreas Joseph Ropiquet.

Anna Maria Weinkauffs erster Mann (die erste Ehe wurde wohl 1811 geschlossen) war übrigens Posthalter in Standenbühl, d.h. er hatte einen Betrieb, der als eine Haltestation für Postkutschen diente, ganz sicherlich mit einem Wechsel der Pferde und vermutlich auch mit einer Art Hotelbetrieb für Übernachtungsgäste – wie ihr Mann Ludwig Hitzfeld gehörte also auch Anna Maria Weinkauff zum gehobenen Bürgertum der damaligen Zeit.

Aus der ersten Ehe hat sie vier Kinder in die Ehe mit Dr. Hitzfeld mitgebracht. Gemeinsam mit ihm scheinen nochmals vier Töchter geboren worden zu sein, wobei die 1824 geborene Magdalena Ida vermutlich 1827 schon verstorben ist. 1826 kam Anna Mathilde, die spätere Freiheitskämpferin, zur Welt.

Wann die später geborenen Schwestern Elise Agathe und Emma Hitzfeld geboren wurden, ist aktuell nicht bekannt. Beide Töchter scheinen jedoch auch später gutsituiert gewesen zu sein, in der Anzeige für die Versteigerung des Inventars nach Anna Maria Weinkauffs Tod heißt es jedenfalls, Agathe Hitzfeld sei die Ehefrau von Jakob Wolff, Gutsbesitzer in Neustadt an der Haardt, während Emma Hitzfeld die Ehefrau von Carl Gerheim wurde, einem herzoglich-nassauischen Landes-Oberschultheiß in Weilburg.

Stöbert man in den Pfälzer Zeitungsarchiven nach dem Namen Hitzfeld, so stößt man auf einen weiteren Angehörigen: Conrad Hitzfeld (teilweise auch Konrad geschrieben) war zunächst „Substitut-Staatsprocurator“ in Frankenthal, dann Richter. Ab Januar 1833 war er zunächst Richter in Kaiserslautern, dann wieder Staatsprocurator, im Jahr 1834 ging es zurück nach Frankenthal, 1836 wurde er nach Zweibrücken versetzt, im Mai 1837 hat er wieder in Frankenthal zu tun. 1846 wird er zum Gerichtspräsidenten des Bezirksgerichts ernannt, gleichzeitig fungiert er auch Rechnungsführer am Centralgefängnis Kaiserslautern. Im Mai 1847 wird er auch auch „Rath des Appellationsgerichts“, kurz Appellationsgerichtsrat.

Da Dr. Ludwig Hitzfelds Vater als Richter in Zweibrücken tätig war, wäre denkbar, dass der eine Sohn Arzt wurde, ein anderer Sohn die Juristenlaufbahn einschlug.

Für Conrad Hitzfeld sind folgende Kindsgeburten in den Zeitungen zu finden:

25.08.1824: Anna Margaretha Emilie
08.03.1826: Ernestine Bertha
12.11.1827: Ludwig Otto Heinrich

Im Juni 1863 wird angekündigt, dass Conrad/Konrad Hitzfeld in den Ruhestand geht. Dafür taucht der Name seines Sohnes Otto Hitzfeld schon seit geraumer Zeit regelmäßig in den Zeitungsmeldungen auf, zunächst als Rechtskandidat, dann als Staatsanwalt, später als Notar. Geografisch wechselt er von Frankenthal nach Kusel, später geht es über Wolffstein und Zweibrücken nach Neustadt an der Weinstraße.

Ob Ludwig Hitzfeld noch mehr Geschwister hatte? So genau weiß man es nicht, es gab wohl in Mainz noch einen Kaufmann namens Hitzfeld, der mit Inseraten in den Zeitungen vertreten war, ob das aber ein weiterer Bruder oder aber ein weiter entfernter Angehöriger war, ist aktuell nicht bekannt.

Auf der Suche nach weiteren Infos zum Brand in Kirchheimbolanden im Jahr 1833 war im digitalisierten Archiv des Deutschen Zeitungsportals die Meldung zu finden, die erst 22-jährige Christina Hild sei beim Brand am 13. Juli 1833 so schwer verletzt worden, dass sie dann am 20. Juli verstarb. Hier der Link zur Meldung …

An anderer Stelle war zu lesen, dass die Synagoge nach dem Brand 1835/1836 neu aufgebaut worden ist. Das hat mich dann auf den Gedanken gebracht, dass Mathilde als Kind davon mitbekommen haben könnte. Und dann kam als nächstes der Gedanke, dass sie sich mit einem jüdischen Mädchen hätte anfreunden können. So kam dann die Figur von Sophie Kaufmann in die Geschichte hinein … stellvertretend für die rund 150 bis 200 jüdischen Mitbürger, die in dieser Zeit in Kirchheimbolanden gelebt haben.

Ein Problem bei der Recherche war das eher unübersichtliche Durcheinanderwürfeln der verschiedenen Organisationen. Ein Beispiel wurde oben schon aufgeführt. Laut einigen Quellen hätte Mathilde Hitzfeld am 6. August 1848 die Fahnenweihe angeführt. Laut anderen Quellen war es der 11. oder auch der 12. Juni 1848. In einigen Quellen wird sie für die Übergabe herausgestellt, in anderen Regine Glaser (die Ehefrau des Arztes Dr. Glaser) und Therese Giessen.

Je mehr an Unterlagen ich gefunden hatte, desto mehr hatte ich den Eindruck, man müsse es wie folgt auseinandersortieren:

  1. Zunächst wurde die Bürgerwehr gegründet, das war seit dem 14.03.1848 erlaubt, um die eigene Stadt zu verteidigen. Es gab eine Art von Uniform, um die Zugehörigkeit anzuzeigen. Der Stadtrat hatte später auch beschlossen, die Bürgerwehr dürfe über 200 Gewehre für die Männer verfügen.
  2. Ein paar Tage später kam es durch politisch interessierte Bürger zur Gründung des Bürgervereins. Dieser wurde von Dr. Glaser geleitet. Hier ging es darum, aktuelle politische Fragen zu diskutieren und Forderungen zu formulieren, die an das Parlament in Frankfurt übermittelt wurden.
  3. Im Parlament in Frankfurt kam es zur Spaltung zwischen eher gemäßigten Köpfen („die Professoren“) und radikaleren linken Kräften („Donnersberger Fraktion“, wobei hier auch Abgeordnete aus ganz Deutschland zu finden waren). Die Linken gründeten den „Märzverein“ und riefen im Land dazu auf, vor Ort weitere Märzvereine zu gründen, um die Forderungen vom März 1848 durchzusetzen. Im Dezember 1848 wurde ein Märzverein in Kirchheimbolanden gegründet, Dr. Hitzfeld war hier als aktiver Mitstreiter genannt.
  4. Und schließlich kam es zur Gründung von Freischaren, die nicht nur (wie die Bürgerwehr) zur Verteidigung der eigenen Stadt vorgesehen waren. Stattdessen sollten die Freischaren als freiwillige bewaffnete Kämpfer im Fall eines Aufstands gegen den König diesen Aufstand vorantreiben. Die Fahnenweihe, bei der Mathilde eine tragende Rolle spielte, muss die Fahnenweihe der Donnersberger Freischar gewesen sein.

In einer historischen Erzählung für Erwachsene wäre es sicherlich möglich gewesen, diese Gruppierungen und Unterschiede weiter auszuarbeiten. Da sich das Buch jedoch stärker an einer jüngeren Leserschaft orientiert, würde es für das junge Publikum nicht passen, das alles ganz genau auseinanderzudröseln – bei zu viel Detailverliebtheit würde das Buch vermutlich nicht immer zu Ende gelesen.

Vor diesem Hintergrund wurde in diesem Fall auf historische Genauigkeit verzichtet. Die zuerst gegründete Kirchheimer Bürgerwehr bekommt ihren Platz, der später gegründete Märzverein wird nicht genauer ausgeführt. Und Bürgerwehr und Donnersberger Freischar werden auch nicht exakt aufgeteilt.

In dieser Hinsicht ist ganz klar eine historische Ungenauigkeit zu entdecken, ich hoffe, das ist entschuldbar.

Laut einer Quelle (H. Döhn, A. Zink 1968, das wird zitiert von Horst Hoffmann für die Kaufmann-Biografie) heißt es, Mathilde wäre „zunächst nach Heidelberg, wo sie auf Vermittlung von Verwandten, die dort hohe Beamtenposten innehatten, als erste weibliche Studentin zum Studium der Medizin zugelassen wurde“. Inzwischen sind die Matrikel der Uni Heidelberg digitalisiert und schaut man in die Verzeichnisse von 1850 bis 1852, so ist keine Mathilde Hitzfeld zu finden.

Möglicherweise (das ist aber jetzt eher spekulativ) war sie nur als Gasthörerin an der med. Fakultät – oder sie hatte die an die Uni angeschlossene Hebammenschule besucht, die von 1766 bis 2023 Hebammen ausgebildet hat (siehe Meldung hier).

Wenn man sich den Wortlaut hier anschaut, so heißt es: „Nachdem die Revolution 1849 gescheitert war, ging sie nach Heidelberg und schrieb sich dort für ein Medizinstudium ein. Liberaler Machenschaften verdächtigt, wurde ihr das Studium erschwert und sie wanderte nach Amerika aus“. Die Aussage „das Studium wurde ihr erschwert“ könnte aber auch bedeuten, sie wurde nicht immatrikuliert und konnte das Studium daher gar nicht erst beginnen.

Lange Rede, kurzer Sinn: es ist überhaupt nicht klar, was Mathilde Hitzfeld nach dem Scheitern gemacht hat und wann genau sie in die USA ausgewandert ist.

Auch die historischen Fakten zu Mathilde als Ehefrau und Mutter sind ziemlich unklar. Es ist zwar klar, dass sie den Maler Theodor Kaufmann geheiratet hat, aber wann genau und wo ist gänzlich unbekannt. Noch unklarer wird es bei der Frage zu Kindern: In einer Quelle war zu lesen (Lucae, 1979, siehe unten, Seite 175 nennt er wiederum als Quelle einen Artikel von Walter Müller am 10.09.1967 in der Rheinpfalz), sie hätte bald nach der Heirat ein Kind bekommen. Dieses wäre jedoch am 9.1.1855 im Alter von 11 Monaten gestorben, als sie gerade zu Besuch in Deutschland war. Im Jahr 1857 sei noch ein zweites Kind gekommen. Mich wundert, dass sie ihr kleines Kind zurücklässt, um in die Heimat zu reisen. Es würde auch bedeuten, dass sie im Frühjahr 1853 dort war und im Winter 1854/1855 erneut. Möglich wäre es aber.

Bei der Biografie über Theodor Kaufmann aus dem Jahr 2001 (Autor Horst Hoffman) heißt es, am 10. Februar 1854 sei Tochter Maria zur Welt gekommen, Hebamme sei eine R. Sandmeyer gewesen, das Ehepaar hätte damals in der Christen Street 89 in New York gelebt. Februar 1854 bis Januar 1855 sind dann tatsächlich 11 Monate. Aber das passt nicht zu der Tatsache, dass Maria stets angegeben hatte, im Jahr 1857 geboren zu sein. Maria arbeitete später als Retoucheurin. Sie heiratete am 25. Juni 1884 Louis E. G. Raddé, Sohn des Buchhändlers William Raddé und seiner Frau Christina. Die Familie Raddé war recht wohlhabend, angeblich hätte ihnen in einer früheren Zeit ganz Manhatten gehört. Louis war zunächst Rechtsanwalt und übernahm die Firma seines Vaters nach dessen Tod.

Von 1884 bis 1886 lebte das junge Paar mit ihren Eltern in einem Haus, Adresse Broadway 1215 (ich hatte übrigens auch alte Karten von New York gesucht wie diese hier, um die verschiedenen Umzüge nachvollziehen zu können, wobei die meisten der alten Backstein-Gebäude schon lange abgerissen und ersetzt worden sind). Louis Raddé starb bereits 1893 und hinterließ seiner Frau ein beachtliches Erbe. In zweiter Ehe war Maria mit dem spanischen Ölkaufmann Diego Gomez Quintana aus Sevilla verheiratet, mit dem sie in seine Heimat zog. Angeblich wäre sie sogar Hofdame der spanischen Königin Victoria Eugenia gewesen, aber historisch war das wirklich nur Frauen aus dem Hochadel vorbehalten. Da ihr Ehemann ein sehr vermögender Unternehmer war, ist er ihr in Begleitung von Maria möglicherweise einmal vorgestellt worden – und die Nachwelt hat dann die Legende gestrickt, sie wäre eine Hofdame gewesen. Das ist aber wirklich wenig plausibel. Maria starb am 14. Juni 1943 – auf den Tag genau 94 Jahre nach dem Gefecht von Kirchheimbolanden.

Über Mathilde Hitzfeld liegen nur wenige verlässliche Informationen vor, daher ist natürlich fast alles in dem Buch – was sie erlebt, was sie gedacht, was sie gefühlt hat – so ziemlich frei erfunden. Und dann gibt es auch Personen oder Handlungsstränge, die ganz oder teilweise erfunden sind:

Barbara und Wilhelm sind erfunden. Nirgendwo war vermerkt, wer alles zum Haushalt Dr. Hitzfeld gehört hat, aber es ist davon auszugehen, dass angesichts der vielen und auch harten Arbeit im Haushalt sicherlich eine Dienstmagd (oder mehr?) und vermutlich auch ein Knecht für die schwereren Arbeiten zum Haushalt gehörte. Also wurden Barbara und Wilhelm „erfunden“ – und ich gehe davon aus (siehe das Kapitel „Nicht jedes Haus ist ein gutes Zuhause“), dass das Personal im Haus des sozialpolitisch interessierten Dr. Hitzfeld anständig behandelt worden ist (aber genau weiß ich es natürlich nicht).

Der junge Mann der Donnersberger Freischar, dem Mathilde laut übereinstimmenden Berichten die Fahne übergeben hat, hieß tatsächlich Philipp Berch. Zu diesem ungewöhnlichen Nachnamen waren aber keine Kirchheimbolander Familien zu finden. Daher wurde aus ihm ein Steinmetz und Wandergeselle gemacht, der von woanders herkam. Und beide verlieben sich ineinander, aber wegen der damaligen Konventionen durfte aus dieser Beziehung noch nichts werden: Erst wenn Philipp in der Lage gewesen wäre, eine Familie zu ernähren, hätte er bei Mathildes Vater um ihre Hand anhalten dürfen. Vorher wäre ein engerer Kontakt nicht möglich gewesen.

Kurz und gut: einen Philipp Berch gab es also, aber woher er kam, welchen Beruf er hatte und auch diese unerfüllte Liebe ist den beiden angedichtet worden.

Sophie ist erfunden. Es gab relativ viel jüdisches Leben zu der Zeit in Kirchheimbolanden, es lebten ca. 150 bis 200 Juden in der Stadt, aber ich konnte kein Mädchen finden, das wie Mathilde 1826 geboren war und das sie über die Schule hätte kennenlernen können. Was es gab war eine Frau Kaufmann (aber mit einem anderen Vornamen), deren Geburtsort unbekannt ist und die tatsächlich im August 1849 nach Ingenheim geheiratet und drei Kinder bekommen hat, von denen das jüngste Kind mit Namen Susanne nach kurzer Zeit schon verstorben ist.

Mathilde als Mutter: hier waren sehr widersprüchliche Informationen zu finden, einerseits hätte sie (so wie es im Buch dargestellt ist), 1854 ein Kind bekommen, das im Alter von 11 Monaten 1855 verstorben ist, während sie in Deutschland gewesen sei. Andererseits hätte mich gewundert, dass sie ein Kind in diesem Alter zurücklässt, daher habe ich vermutet, sie ist vielleicht deshalb ohne das Kind nach Deutschland gereist, weil ihre Mutter schwer krank war.

Fakt ist jedenfalls, dass im Jahr 1857 die Tochter Maria geboren wurde. Diese hatte einen Rechtsanwalt und Verleger geheiratet, mit den Eltern in New York unter der gleichen Adresse gelebt, ihr Mann starb recht früh (noch vor ihren Eltern), später ist sie eine zweite Ehe eingegangen und ihrem Mann (einem reichen Kaufmann für Olivenöl) ins spanische Sevilla gefolgt.

Diese Infos waren in der Biografie zu Theodor Kaufmann zu lesen. Hier werden allerdings die beiden Geburten zusammengefasst, nämlich: Mathilde hätte nur ein Kind bekommen, nämlich 1854 und die Tochter Maria, geboren 1857, hätte sich aus Eitelkeit immer jünger gemacht – siehe auch die Infos im Akkordion weiter oben.

Das Jahr in Deutschland 1868/1869: In Theodor Kaufmanns Lebensgeschichte ist zu lesen, dass er mit seinen Bildern ab 1864 tatsächlich sehr erfolgreich war und auch in Deutschland bzw. Wien an Ausstellungen teilgenommen hat. Es ist nicht erwähnt, ob Frau und Tochter dabei waren. Dieses ganze Jahr ist eine Ausschmückung von mir – vielleicht damit Mathilde ihrem Vater seine Enkeltochter vorstellen kann. Die Mutter war jedenfalls zuvor schon verstorben, der Vater verstarb im September 1869.

Was im Buch gänzlich fehlt ist die Legende, Mathilde hätte eine Fronleichnamsprozession gestört, wäre angeklagt worden, hätte vor Gericht eine flammende Verteidigungsrede gehalten und wäre dann freigesprochen worden. Trotz aller Recherchebemühungen als Nicht-Historiker war dazu nichts zu finden und ich wusste auch nicht, wann das hätte sein sollen. Ihr Besuch 1853 ist belegt, beim einjährigen Aufenthalt ihres Mannes in Deutschland 1868/1869 könnte sie vielleicht mit ihm nochmals in der Heimat gewesen sein, 1872 wird sie ja eingeladen zur Einweihung des Denkmals, lehnt aber ab, weil sie befürchtet, nochmals vor Gericht gestellt zu werden – hätte ich die Störung der Fronleichnamsprozession dann im Juni 1869 einbauen sollen? Und wo hätte der Gerichtsprozess dann sein sollen? Und außerdem: wäre das jetzt wirklich so wichtig gewesen? Daher fehlt diese Episode in ihrem Leben.

Zu Beginn der Recherche für das Buch habe ich viel online gestöbert, um überhaupt erst einmal „hineinzuschnuppern“. Diese Online-Quellen habe ich nicht alle abgespeichert. Das kam erst später. Daher kann ich nicht alle Quellen aufführen. Was ich online gefunden habe (recht viel bei Google Books bzw. in der Deutschen Digitalen Bibliothek):

  • Ludwig Bamberger, Erlebnisse aus der pfälzischen Erhebung im Mai und Juni 1849, 1849
  • Johann Philipp Becker, Christian Esselen, Geschichte der süddeutschen Mai-Revolution des Jahres 1849
  • Wilhelm Blos, Die deutsche Revolution – Geschichte der deutschen Bewegung von 1848 und 1849, Stuttgart 1893
  • Otto Fleischmann, Geschichte des pfälzischen Aufstandes im Jahre 1849, Kaiserslautern, Thieme, 1899
  • Friedrich A. Karcher, Die Freischärlerin – eine Novelle aus der Pfälzer Revolution von 1849, Kaiserslautern 1851. -> Anmerkung: allerdings ist das eine rein fiktive Geschichte und hat mit Mathilde Hitzfeld gar nichts zu tun!
  • Daniel Staroste, Tagebuch über die Ereignisse in der Pfalz und Baden im Jahre 1849, 1852
  • und dazu noch verschiedene Artikel aus Wikipedia (die Artikel zu den historischen scheinen noch faktenorientierter zu sein und weniger ideologisch eingefärbt als Artikel zu aktuellen politischen Themen) von pfalzgeschichte.de, und ähnlichen Quellen und zudem waren jede Menge digitale Akten zu finden, die Anklag-Akten sind in Druckschrift, viele andere digitalisierten Akten sind jedoch handgeschrieben und daher nicht besonders gut lesbar.

An Büchern liegen folgende Titel vor:

  • Konrad Lucae, Kirchheimbolanden und der pfälzisch-badische Aufstand 1848/49, Mielke-Druck Kirchheimbolanden, 1979.
  • Konrad Lucae, Kirchheimbolanden in alten Ansichten, Europäische Bibliothek, 1978
  • Horst Hoffmann, Theodor Ludwig Kaufmann, Maler und Freiheitskämpfer (1814-1896), Uelzen 1977
  • Horst Hoffmann, Theodor Kaufmann (1814-1896), Freiheitskämpfer und Historienmaler aus Uelzen, Verlag der Stadt Uelzen, 2001
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